“Ich bin Putzfrau, das sage ich auch genau so!” Warum Lina bezahlten Urlaub gegen die Selbstständigkeit tauschte

“Ich bin Putzfrau, das sage ich auch genau so!” Warum Lina bezahlten Urlaub gegen die Selbstständigkeit tauschte

Am 8. November ist internationaler Tag der Putzfrau. Dieser Tag wurde initiiert, um mehr Aufmerksamkeit auf einen Berufsstand zu lenken, der immer noch nicht genügend Beachtung und Anerkennung erfährt. Aus gegebenem Anlass spricht Lina – eine von Helpling vermittelte Reinigungskraft -, wie sie sich in der Gesellschaft sieht, wie Kunden sie behandeln und was sie von der Bezahlung in der Branche hält:

Lina, du bist eine selbstständige Reinigungskraft. Wie siehst du diesen Beruf?

Also ich muss sagen: Der Beruf “Putzkraft” steht allen anderen Jobs, die ich bisher gemacht habe – ob als Beraterin in einem Büro oder als Aushilfe in einem Hostel -, in nichts nach. Heutzutage gibt es unzählige Arbeitsmöglichkeiten – wieso also nicht auch einen Wischmop in die Hand nehmen und damit den Boden sauber wischen? Nach all meiner Berufserfahrung bin ich mir dafür sicherlich nicht zu schade.

Hast du es gelernt, Reinigungskraft zu sein oder hast du früher eine andere Ausbildung gemacht?

Nein, ich habe vorher etwas komplett anderes gemacht. In Australien habe ich als Recruiting-Beraterin gearbeitet. Leider habe ich irgendwann realisiert, dass ich sieben Tage in der Woche im Büro war und jeden Abend auf der Couch noch weitergearbeitet habe. Natürlich habe ich viel Geld verdient, aber ich hatte keinen einzigen freien Moment, in dem ich durchatmen, geschweige denn in den Urlaub fahren konnte. Ich musste dann meinem Privatleben und meiner Gesundheit zu Liebe die Reißleine ziehen: Ich kündigte meinen Job, packte meine Sachen und zog kurzerhand nach Berlin.

Was hast du dann in Berlin gemacht? Wolltest du wieder zurück in deinen ursprünglichen Beruf?  

Als ich nach Berlin gekommen bin, musste ich mich erst einmal neu arrangieren. Das ist nicht ganz einfach, wenn man noch kein Deutsch kann. Deshalb habe ich angefangen, fest angestellt in einem Hostel zu arbeiten. Leider war das keine Verbesserung zu meinem alten Job. Ich habe Überstunden gemacht, nur dieses Mal wurden sie nicht bezahlt. Außerdem war es körperlich sehr anstrengend. Nach all diesen negativen Erfahrungen sagte ich mir: Du musst dein eigener Herr sein, selbst die Kontrolle über dein berufliches Leben erlangen.

Das impliziert ja den Weg in die Selbstständigkeit.

Genau, nur ist das ohne Deutschkenntnisse und Netzwerk eigentlich unmöglich. Ich fing dennoch an zu recherchieren, wie ich trotz dieser Schwierigkeiten frei arbeiten kann. Schnell kristallisierte sich heraus, dass von all den Angeboten nur das Saubermachen für mich in Frage kommt. Ich habe nämlich schon immer gerne geputzt und in diesem Moment auch keinen Grund gesehen, nicht damit Geld zu verdienen.

Dann bist du wahrscheinlich relativ schnell auf Plattformen gestoßen, die selbstständige Reinigungskräfte vermitteln.

Genau. Ich habe mich viel informiert und viele Angebote gesehen. Relativ zügig bin ich dann auf die Helpling-Webseite gelangt, da andere Plattform mir nicht ganz entsprachen. Mir war von Anfang an wichtig, dass ich über die Plattform nur vermittelt werde, ansonsten jedoch alles weitere selbstständig entscheide. Das reicht von der Organisation der Termine bis hin zur Zufriedenheit des Kunden. Und plötzlich ging alles sehr schnell, sodass ich nach der Registrierung sowie Prüfung der Dokumente und meiner Reinigungsqualität meinen ersten Putzauftrag erhielt. Somit war ich das erste Mal für alles selbst verantwortlich, das meint auch das bürokratische Drumherum.

Reinigungskraft Lina im Helpling-Büro

Lina zu Gast im Helpling-Büro

Welche bürokratischen Dinge meinst du damit?

Vor meiner Selbstständigkeit habe ich immer als Angestellte gearbeitet, sodass ich mich nie um meine Kranken- und Rentenversicherung kümmern musste. Das stellte mich nun vor neue Herausforderungen – die deutsche Bürokratie wirkt am Anfang sehr einschüchternd. Ich hatte es mir aber in den Kopf gesetzt, also wollte ich es durchziehen. Ich musste genau wissen, welche Abgaben ich zu zahlen habe. Dann ging ich die Kranken- und Rentenversicherung an. Ganz selbstständig bin ich aber nicht: Ich habe jetzt einen Steuerberater (lacht).

Du könntest auch als fest angestellte Reinigungskraft arbeiten und müsstest dich somit nicht selbst um deine Krankenversicherung kümmern.

Darum geht es mir nicht. Mein früherer Beruf als Beraterin war nie das Problem an sich, sondern die Festanstellung in einer Firma. Deshalb haben bezahlter Urlaub sowie Kranken- und Rentenversicherung für mich nicht denselben Stellenwert wie vielleicht für andere. Natürlich habe ich die Vorteile einer Festanstellung genossen, aber ich war das Eigentum der Firma. Jetzt ist mein höchstes Gut einzig und allein meine berufliche Freiheit: Ich behalte die absolute Kontrolle darüber, wann ich arbeite und wann ich in den Urlaub fahre – wenn auch unbezahlt.

Als Vermittlungsportal bietet Helpling keine Krankenversicherung oder bezahlten Urlaub an. Ein häufiger Vorwurf lautet dementsprechend, keine Verantwortung für die vermittelten Reinigungskräfte zu übernehmen. Was ist deine Meinung dazu?

Ich sehe es ein wenig anders. Mein Anspruch ist, dass ich am Ende des Monats für meine Ausgaben aufkommen kann. Dank meines Steuerberaters schaffe ich das auch. Wenn ich also selbstständig als Reinigungskraft arbeiten möchte, dann muss ich wissen, welche Vorteile ich von der Zusammenarbeit habe und worauf ich bewusst verzichte. Niemand wird dazu genötigt, über eine Plattform als selbstständiger Dienstleister tätig zu sein. Für mich war es in dem Moment aber die Lösung –  und ist es immer noch. Hätte ich jedoch nicht diese Erfahrungen mit meinen früheren Arbeitsstellen gemacht, dann wäre ich vielleicht auch nicht auf Helpling gestoßen.

Wie stehst du denn zu der Auszahlung?

Am Anfang habe ich neun Euro pro Stunde erhalten. Das war in meinen Augen auch absolut solide, insbesondere dann, wenn ich es mit dem Verdienst im Hostel vergleiche. Natürlich steht es in keinem Verhältnis zu dem Verdienst in Australien. Da war es aber auch eine andere Ausbildung, eine andere Verantwortung, die ich getragen habe. In diesem Jahr hat Helpling aber die Auszahlung auf elf Euro pro Stunde erhöht. Für meine Verhältnisse und Ansprüche ist das absolut ausreichend.

In Deutschland arbeiten dennoch 80 Prozent der Reinigungskräfte schwarz – woran könnte das deiner Meinung nach liegen?

Das frage ich mich auch! Wahrscheinlich denken viele Kunden immer noch, dass sie mit einer illegalen Reinigungskraft Geld oder Steuern sparen. Was ich aber noch weniger verstehe: Warum putzen Menschen immer noch illegal? Sie sind nicht versichert und machen sich auch noch strafbar. Vielleicht wissen viele Personen auch einfach nicht, wie sie legal an Putzaufträge kommen.

Reinigungskraft Lina auf einer Bank

Auf der Plattform kannst du dir deine Kunden selbst auswählen. Wie würdest du die Beziehung zu deinen Kunden beschreiben?

Bei vielen besteht bereits durch die Regelmäßigkeit der Aufträge eine freundliche und vor allem vertraute Beziehung. Das merke ich daran, dass wir bei Änderungen oder besonderen Wünschen direkt über Whatsapp miteinander schreiben. Natürlich sind einige Kunden von Natur aus distanzierter und wir kommunizieren auf einer freundlichen, aber geschäftlichen Basis. Wiederum andere sehen unsere Beziehung beinahe als Freundschaft an, sodass ich schon einmal die Mutter einer Kundin getroffen habe. Nach der Reinigung haben sie mich dann auf Kaffee und Kuchen eingeladen (lacht). Dank einer Empfehlung von einer anderen Kundin habe ich sogar meine neue Wohnung gefunden!

Was musst du im Umgang mit Neukunden besonders beachten? Machst du etwas anders als bei deinen Stammkunden?  

Bei neuen Kunden ist es das allerwichtigste, Vertrauen aufzubauen. Das kommt nicht von alleine, es wächst eher mit der Zeit. Es ist ja auch eine große Sache, jemand Fremdes in sein Zuhause zu lassen, in seine Privatsphäre. Ich ziehe dann immer das grüne Helpling-Shirt an: Die Kunden haben das schon auf der Webseite gesehen und erkennen direkt, dass ich eine Reinigungskraft bin. Das ist mein persönliches Putzoutfit, in dem ich mich wohl fühle. Und alleine dieses Gefühl überträgt sich sofort auf den Kunden, sodass er auch hier sicher sein kann: Ich wertschätze ihn und seine Wohnung.

Ist das auch andersherum der Fall? Wie zeigen dir die Kunden, dass sie deine Arbeit wertschätzen?

Jeder Kunde zeigt mir seine Wertschätzung – wenn auch auf unterschiedliche Weise: Einige sind sehr zurückhaltend und lächeln einfach jedes Mal, wenn sie die saubere Wohnung sehen. Andere wiederum umarmen mich oder danken mir anschließend per Chat-Nachricht in meinem Online-Profil. Das schönste Kompliment habe ich erst letztens von einer Kundin erhalten: “Ich liebe es nach Hause zu kommen, nachdem du sauber gemacht hast!”. Da dachte ich mir: Du machst die Menschen mit deiner Arbeit wirklich glücklich (lächelt).

Wenn du neue Menschen kennen lernst: Erzählst du ihnen, was du momentan beruflich machst?

Natürlich! Ich sehe dann eine der drei Reaktionen: Die erste Gruppe verliert bei dem Wort “selbstständig” oder “Putzfrau” direkt das Interesse. Die zweite Gruppe wiederum findet den Fakt der Selbstständigkeit spannend und hakt nach, wie ich meine Aufträge in ganz Berlin  selbst manage. Die dritte Gruppe interessiert sich vor allem für Helpling, weil sie selbst einmal buchen möchten. Sie fragen dann, wie die Zusammenarbeit zwischen mir und Helpling abläuft. Eines haben aber alle gemeinsam: Sie möchten unbedingt wissen, was ich schon so alles in den Wohnungen gesehen habe – aber das bleibt mein Geheimnis (lacht).

Wie sieht deiner Meinung nach die Gesellschaft den Beruf der Reinigungskraft?

Mir ist aufgefallen, dass Menschen dem Beruf “Putzfrau” – ohne die Person dahinter zu kennen – erst einmal mit einer negativen Einstellung begegnen. Ich bezeichne mich selbst ja auch als “Putzfrau”. Damit möchte ich nicht kokettieren, das ist schlicht und einfach mein Beruf, den ich ausübe. Aber auch Freunde meinten zu mir: “Sag doch nicht, dass du Putzfrau bist. Das ist total negativ!” Warum das negativ sein soll, ist mir nicht klar: Putzen ist essentiell – sonst würden alle im Dreck untergehen. Meiner Meinung stammt diese negative Einstellung aus dem 20. Jahrhundert: Die Unterprivilegierten haben den Reichen hinterher geräumt. Deshalb assoziieren Menschen die Tätigkeit des Putzens direkt mit einem Beruf niedrigeren Status – vielleicht sogar mit dem eines “Dieners”.

Und deine Freunde? Wie stehen sie dem Beruf des Reinigens gegenüber?

Sie sehen mich ganz einfach als Lina, mit der man gut planen muss, sonst hat sie wieder einen Auftrag (lacht). So häufig trifft man ja auch nicht auf eine passionierte Reinigungskraft wie mich. Das nutzen meine Freunde dann gerne und haken genauer nach, wie die Spüle wieder glänzt. Und schon stehen wir zusammen über der Spüle und schrubben (lacht).

Reinigungskraft Lina reinigt die Spüle

Was ist dein Geheimrezept, um deine Kunden glücklich zu machen?

Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation! Ich höre ganz genau zu, wenn ein Kunde mir seine Wünsche nennt. So spürt er, dass mir die Reinigung wirklich am Herzen liegt und ich eine gute Arbeit erbringen möchte. Das ist meine eigene Verantwortung, den Kunden zufrieden zu stellen – und das erreiche ich, indem ich Wert auf die Details lege, die der Kunde vielleicht auch nur im Nebensatz erwähnt.

Aber unter uns: Nicht alles am Putzen macht man gern.

Ich gebe es zu: Riesige Glasduschen schrubben – das mache ich nicht wirklich gerne. Leider gibt es davon unerwartet viele in Berlin (lacht). Spaß beiseite, am Putzen selbst kann ich ansonsten nicht wirklich etwas aussetzen. Vielmehr stört es mich, wie die Kunden mich manchmal wahrnehmen. Eine Beziehung kann niemals einseitig funktionieren: Nicht nur ich sollte kommunizieren und zuhören, sondern auch der Kunde. Leider ist es häufig so, dass die Putzkraft die letzte Person ist, an die man im Alltag denkt. Es sind die Kleinigkeiten, an denen ich merke, dass meinem Beruf manchmal noch zu wenig Respekt entgegengebracht wird: So musste ich frühere Kunden ständig daran erinnern, mir vor ihren Urlauben oder bei spontanen Terminänderungen Bescheid zu geben, damit ich nicht wieder vor verschlossener Tür stehe.

Was machst du neben dem Putzen denn noch gerne?

Mein größtes Hobby ist die Fotografie! Gerade habe ich mich für einen Kurs zur Weiterbildung angemeldet, um noch mehr darüber zu lernen. Das ist neben dem Putzen eine weitere Leidenschaft (lacht). Aber ich kann mir auch keine andere Stadt als Berlin vorstellen, die mehr Möglichkeiten bietet, seinen Passionen nachzugehen!

Seitdem Barbara für den Blog schreibt, serviert sie ihrer Familie und Freunden die besten Tipps und Tricks rund um Backpulver, Zitronensäure und Essig. Denn bis jetzt kriegt man beinahe alles Unmögliche mit diesen drei herkömmlichen Mittelchen entfernt. Fast wie Magie!

1 Comment

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